Die Delegierten des Zentralverbandes der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) trafen sich am 12. Oktober im Rahmen der SICHT.KONTAKTE in Hannover zu ihrer jährlichen Obermeistertagung und außerordentlichen Mitgliederversammlung. Stand die vergangene Tagung noch ganz im Zeichen der Auswirkungen des HHVG, so konnte sich der Blick angesichts der gemeinsam erzielten Erfolge für die Augenoptik nun wieder auf andere Themen richten.

Der ZVA-Leitsatz „Gemeinsam gestalten“ bildete bei den Tagesordnungspunkten und Gastvorträgen der Obermeistertagung einen roten Faden. Mike Schneider, Präsident des Niedersächsischen Handwerkstages, betonte in seinem Grußwort, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit im Handwerk und das Engagement des Ehrenamtes seien. Nur gemeinsam könne eine stetige Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der öffentlichen Wahrnehmung auf politischer, wirtschaftlicher und juristischer Ebene erreicht werden.

Branche in stetigem Wandel

Thomas Truckenbrod, ZVA-Präsident

ZVA-Präsident Thomas Truckenbrod begann seinen Bericht zur aktuellen Situation in der Augenoptik mit dem Zitat „Nichts ist so beständig wie der Wandel“ des griechischen Philosophen Heraklit. Er gab einen kurzen Überblick über die derzeitigen zahlreichen Wechsel und Übernahmen sowohl in der deutschen als auch in der europäischen Branche, wie etwa den Generationswechsel bei Fielmann, die Bewegungen auf dem Online-Brillenmarkt oder die Grand-Vision-Übernahme (Apollo-Optik) durch Essilor-Luxottica. Im Hinblick auf die Entwicklungen im Rahmen des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes (HHVG), wie die neue Hilfsmittelrichtlinie oder die Krankenkassenverträge, bedankte sich der ZVA-Präsident noch einmal bei allen Beteiligten, die mit ihren gemeinsamen Anstrengungen, beispielsweise in der lokalen Politik, viel erreicht hätten: „Veränderungen waren nur möglich, da die gesamte Branche zusammenstand.“ Insbesondere würdigte Truckenbrod außerdem den Redebeitrag des ZVA-Vizepräsidenten Christian Müller im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Dieser war letztendlich der Argumentation des ZVA und des GKV-Spitzenverbandes gefolgt und beschloss im Juni eine neue Hilfsmittelrichtlinie, gemäß derer Augenoptiker selbstständig Folgeverordnungen unabhängig von einer ärztlichen Verordnung zur Versorgung mit Sehhilfen zu Lasten der Krankenkassen vornehmen dürfen.

Die Brille als angepasstes Medizinprodukt

Ein Thema, das die Branche nun beschäftigt, ist die bereits im Mai 2017 in Kraft getretene EU-Medizinprodukteverordnung, die im Rahmen des Medizinprodukte-Anpassungsgesetz EU (MPAnpG) ab dem 26. Mai 2020 verbindlich umzusetzen ist. Im Zuge des Parlamentarischen Verfahrens werden zur Einstufung von Korrektionsbrillen die betreffenden Verbände angehört. Im Ergebnis sollen individuelle Korrektionsbrillen angepasste Medizinprodukte sein, den bürokratischen Mehraufwand für die Betriebe stufte Truckenbrod als überschaubar ein. Ein kritischer Punkt sei die im Gesetzestext nicht näher definierte „schriftliche Verordnung“ durch eine „befugte Person“. Truckenbrod erläuterte, der ZVA habe zusammen mit der Bundesinnung der Hörakustiker eine Ergänzung des Gesetzestextes zugunsten der Augenoptiker bewirkt und unternehme alle Anstrengungen, damit diese Ergänzung das Parlamentarische Verfahren unverändert durchlaufe.

Drei Gastvorträge: Kontaktlinsen, Branchendaten und Sehhilfenversorgung

Prof. Wolfgang Sickenberger, Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Prof. Wolfgang Sickenberger von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena stellte in seinem Vortrag zunächst aktuelle Forschungsprojekte vor, darunter eine Untersuchung zur Myopieprogression in Deutschland. Schließlich ging er der niedrigen Kontaktlinsenpenetration hierzulande auf den Grund, die mit nur 6,3 Prozent (gemessen an der Gesamtbevölkerung) weit unter europäischem Durchschnitt liegt. Gut 43 Prozent der Kontaktlinsenträger versorgten sich zudem per Selbstanpassung. Ein Problem sei hier die fehlende Ansprache und Initiative der Augenoptiker, so Professor Sickenberger. Auch werde das Thema Kontaktlinse zwar in der Ausbildung meist ausreichend berücksichtigt, jedoch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Auszubildende hätten zudem selten die Möglichkeit, ihre Kenntnisse – vor allem im Bereich Kundenberatung – im Betrieb anzuwenden und zu vertiefen.

Till Herzog von der GfK Nürnberg (Growth from Knowledge, vormals: Gesellschaft für Konsumforschung) präsentierte vorläufige Ergebnisse der erst vor einer Woche abgeschlossenen ZVA-Branchenstrukturerhebung. Diese werden in Kürze strukturiert zusammengefasst und veröffentlicht.

Mit dem Vortrag von Dr. Frank Brunsmann von Pro Retina Deutschland mit dem Titel „Die Würfel sind gefallen – Erwartungen an die Sehhilfenversorgung in Deutschland“ schloss sich der Kreis zu den gemeinsamen Anstrengungen der Augenoptik in Bezug auf das HHVG. Brunsmann ist als Patientenvertreter Mitglied des G-BA und stellte in Hannover die Folgen des neuen Gesetzes aus Sicht der Betroffenen dar. Als Patientenvertreter habe die Verantwortung in der Versorgung vor allem stark Kurzsichtiger einen hohen Stellenwert. Brunsmann wünschte sich eine gute Zusammenarbeit zwischen Augenoptikern, Krankenkassen und Ärzten sowie die Aufklärung der Patienten und begrüßte in diesem Zusammenhang den Krankenkassen-Leitfaden des ZVA.

Dr. Frank Brunsmann, Pro Retina Deutschland e.V.

 

Mit dem Vorschlag, zusammen entsprechende Arbeitsrichtlinien zum Umgang mit hoher Myopie zu entwerfen, knüpfte Truckenbrod schließlich wieder an den Leitsatz des Verbandes an: „Gemeinsam gestalten“ und fügte hinzu: „Wie soll schließlich die Versorgung ohne die Symbiose der Berufsgruppen funktionieren?“

 

 

 

 

 

 



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