Im Zuge der Novellierung der 3. EU-Führerscheinrichtlinie hatte der ZVA den Vorschlag eingebracht, auch Augenoptikern zu ermöglichen, einen Sehtest für Berufskraftfahrer durchzuführen. Dieser wurde nun vom Bundesverkehrsministerium abgelehnt. Im Interview erklärt ZVA Geschäftsführer Dr. Jan Wetzel die Hintergründe der ZVA-Eingabe und was die Ablehung durch das Ministerium bedeutet.

Optikernetz: Wie kam es zu dem Vorschlag des ZVA, die Möglichkeit der Testung durch den Augenoptiker in die EU-Führerscheinrichtlinie aufzunehmen?

Dr. Wetzel: Im Laufe des Jahres soll die 3. EU-Führerscheinrichtlinie novelliert werden. Die EU-Kommission hat die Mitgliedstaaten aufgerufen, ihren Änderungsbedarf darzulegen. Das in Deutschland hierfür zuständige Bundesverkehrsministerium hat darauf hin die Verbände eingeladen, um mit ihnen in einen Meinungsaustausch zu treten. Dies ist Anfang Februar geschehen. In dem Termin hat das Verkehrsministerium deutlich gemacht, über die Einführung eines verpflichtenden Wiederholungssehtests für alle Führerscheininhaber noch nicht einmal diskutieren zu wollen. Aus dem Bereich der Logistik kam jedoch die Forderung auf, den LKW-Fahrern die Möglichkeit zu geben, ihren Sehtest auch bei einem Augenoptiker durchführen lassen zu können. Da dies eine alte Forderung des Verbandes ist, haben wir den Ball natürlich aufgenommen.

Optikernetz: Warum ist dies für den ZVA und damit den Berufsstand des Augenoptikers wichtig?

Dr. Wetzel: Die Augenoptiker sind für die Fragen der Sehhilfenversorgung der erste Ansprechpartner in Deutschland. Sie führen über 80 % der Refraktionsbestimmungen durch. Dennoch sollen sie diesen Sehtest nicht durchführen dürfen, obwohl sie dies vor einigen Jahren noch durften. Für uns ist nach wie vor nicht erkennbar, warum dieses Recht verloren ging.

Optikernetz: Was würde sich für den Augenoptiker verändern? Müsste er neue Geräte bereitstellen und eine Zertifizierung durchlaufen?

Dr. Wetzel: Eine Zertifizierung wäre sicherlich nicht notwendig. Jeder Augenoptikermeister ist in der Lage den Sehtest durchzuführen. Gegebenenfalls müssen sich einige Augenoptikbetriebe einen Perimeter anschaffen. Dies dürfte sich nicht für alle Betriebe lohnen. Am Ende müssten die Betriebe, die diesen Sehtest anbieten wollen, abgenommen werden. Dies könnten die Landesinnungen machen, da sie diese Aufgabe bei den Sehteststellen für den PKW-Führerscheinsehtest ohnehin schon erledigen.

Optikernetz: Der Vorschlag der Prüfung durch den Augenoptiker wurde unlängst vom Bundesverkehrsministerium abgelehnt. Bitte erläutern Sie die Gründe dafür.

Dr. Wetzel: Die Ablehnung unseres Vorschlages wurde damit begründet, dass bei der Überprüfung des Sehvermögens das medizinische Wissen und der Sachverstand des Arztes eine wesentliche Rolle spiele, da nur er in der Lage sei, bei Veränderungen der Sehfunktionen mögliche Differentialdiagnosen zu berücksichtigen, die wiederum die Fahreignung negativ beeinflussen.

Optikernetz: Ist die Ablehnung für Sie nachvollziehbar und akzeptabel? Oder was genau wollen Sie nun weiter in der Sache unternehmen?

Dr. Wetzel: Bei der Durchführung geht es gar nicht darum eine „Differentialdiagnose“ durchzuführen. Vielmehr wollen wir ja ein zweistufiges Verfahren: Wird der Sehtest bestanden, dann bekommt der Führerscheinanwärter die Bescheinigung vom Augenoptiker, besteht er ihn nicht, dann muss er zur weiteren Abklärung zum Augenarzt, der dann eine gegebenenfalls notwendige Differentialdiagnose durchführt. Den Augenoptikern die Möglichkeit einzuräumen, den Sehtest für LKW-Fahrer anzubieten, würde diesen – aufgrund eines vergrößerten Angebotes – im Vergleich zu heute günstiger machen. Zudem bräuchten die Berufskraftfahrer nicht so lange auf einen Termin zu warten. Diese positiven Effekte träten ein, ohne dass sich dadurch die Verkehrssicherheit verschlechtern würde. Wir werden diese Aspekte unseres Anliegens gegenüber der Politik noch stärker betonen

Optikernetz: Vielen Dank für das Interview, Dr. Wetzel.



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