ZVA: Bewertung der deutschen Augenoptikbranche zum Jahreswechsel

ZVA: Bewertung der deutschen Augenoptikbranche zum Jahreswechsel

Stand 20.01.2026

„Die Augenoptik ist keine Krisenbranche"

Nach derzeitigem Stand ist für die Gesamtbranche ein Umsatzwachstum von rund ein bis maximal zwei Prozent zu erwarten. Damit bleibt die Entwicklung unterhalb der Inflationsrate und entspricht einer Seitwärtsbewegung.

„Die Augenoptik behauptet sich in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld vergleichsweise gut. Von einer echten Wachstumsdynamik kann jedoch keine Rede sein“, erklärt ZVA-Präsident Christian Müller. „Die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher macht sich inzwischen auch in unserer Branche deutlich bemerkbar.“

Während der Umsatz wertmäßig leicht zulegen dürfte, geht der ZVA von rückläufigen Brillenstückzahlen aus, die 2025 um ein bis zwei Prozent unter den Vorjahreszahlen liegen dürften. Diese Entwicklung bestätigt die Ergebnisse der aktuellen Brillenstudie des Instituts für Demoskopie Allensbach: Die Zahl der regelmäßigen Brillenträger ist rückläufig; insbesondere Personen, die nicht dauerhaft auf eine Brille angewiesen sind, zögern den (Neu-)Kauf hinaus. „Menschen, die aufgrund ihrer Fehlsichtigkeit zwingend eine Sehhilfe benötigen oder bei denen sich die Korrektionswerte merkbar verändert haben, kaufen weiterhin eine neue Brille“, so Müller. „Wer jedoch nur gelegentlich eine Brille nutzt, reagiert deutlich sensibler auf wirtschaftliche Unsicherheit – sei es durch Kaufaufschub oder den Griff zu günstigeren Alternativen wie z.B. einfachen Lesehilfen.“ 

Durchschnittspreis steigt – große Spannbreite bleibt

Der durchschnittliche Verkaufspreis einer kompletten Korrektionsbrille liegt bei rund 550 Euro. Diese Kennzahl verdeutlicht jedoch nur bedingt die Marktrealität, da die Preisspanne in der Augenoptik von einfachen Einstärkenbrillen bis hin zu individuell gefertigten, hochwertigen Gleitsichtbrillen mit entsprechend höherem Preisniveau reicht. Auch bei der zugehörigen Fassung ist der Preisunterscheid zwischen günstigeren und hochpreisigen Marken erheblich, hinzu kommen individuelle Aufpreise bei Brillengläsern z.B. für eine Superentspiegelung oder spezielle Filter. Der leichte Umsatzanstieg ist daher weniger auf steigende Stückzahlen als vielmehr auf eine höhere Wertschöpfung pro Brille zurückzuführen. 


Marktkonzentration setzt sich fort

Unverändert herausfordernd bleibt die strukturelle Entwicklung der Branche. Die Zahl der augenoptischen Betriebsstätten nimmt weiter ab, während sich die Marktkonzentration zugunsten größerer Betriebe und Filialisten fortsetzt. Besonders problematisch ist die fehlende Betriebsnachfolge: Viele inhabergeführte Betriebe finden keinen Nachfolger, was mittelfristig zu weiteren Schließungen führen dürfte.

Die Ausbildungsleistung in der Augenoptik liegt im langjährigen Vergleich weiterhin auf hohem Niveau, auch wenn die Zahl der Neuverträge in der Ausbildung zum 31. Oktober 2025 um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr leicht zurückging (2024 wurden 2.328 Neuverträge geschlossen, 2025 waren es 2.280).

Der Fachkräftebedarf bleibt ein zentrales Thema; fehlendes qualifiziertes Personal ist für viele Betriebe ein begrenzender Faktor – sowohl für das Wachstum als auch für die Weiterentwicklung des Leistungsangebots. Gleichzeitig zeigen aktuelle Wirtschaftsanalysen leichte Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der unbesetzten Stellen geht tendenziell zurück, während die Arbeitslosigkeit in der Augenoptik leicht ansteigt – wodurch sich die Schere etwas schließt. 


Spezialisierung als Erfolgsfaktor

Tendenziell besser aufgestellt sind nach Einschätzung des ZVA jene inhabergeführten Betriebe, die sich klar positionieren und spezialisieren – etwa durch optometrische Leistungen, ein individuelles Angebot mit angeschlossener Brillenmanufaktur oder die Fokussierung auf ausgewählte Teilbereiche der Augenoptik. „Betriebe, die ein klares Profil haben und ihre Stärken konsequent ausspielen, positionieren sich langfristig besser als reine Generalisten“, betont Christian Müller. „Handwerkliche Qualität, Spezialisierung und ein Fokus auf Augengesundheitsvorsorge sowie Vertrauen durch individuelle, persönliche Beratung bleiben die entscheidenden Faktoren für wirtschaftliche Stabilität.“ 


Augenoptik im Branchenvergleich weiterhin robust

Trotz der genannten Herausforderungen zeigt sich die Augenoptik im Vergleich zu vielen anderen Branchen weiterhin relativ widerstandsfähig. Die Nachfrage nach Sehhilfen bleibt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung grundsätzlich stabil, auch wenn die wirtschaftliche Unsicherheit inzwischen deutlicher spürbar ist als noch vor einigen Jahren. „Die Augenoptik ist keine Krisenbranche“, fasst Christian Müller zusammen. „Aber sie ist auch kein Selbstläufer. Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, wie gut es uns gelingt, Qualität, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander zu verbinden.“

Quelle: Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA)